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FIFA-Assistent Markus Häcker im Interview

Details

Seit 1988 ist Markus Häcker Schiedsrichter. Als einer der wenigen hat er den Sprung nach ganz oben geschafft. Bodenständig und offen stellte er sich den Fragen. Das MeckSchweiz-Sport-Team traf den Unparteiischen bei der Halbjahrestagung des Kreisfußballverbandes Mecklenburgische Seenplatte. Bis zum 30. Juni 2021 werden wir Markus Häcker noch in der Bundesliga sehen.

Seit dem letzten Wochenende ist die Bundesliga nach der Winterpause gestartet. Aber wie bereiten Sie sich eigentlich auf die Rückrunde vor?

Mittlerweile haben wir im Sommer und auch im Winter ein einwöchiges Trainingslager vor der Saison. Hier werden dann nicht nur die Grundlagen in der Athletik gelegt, sondern im Sommer gibt es auch einen Athletik- und Regeltest. Diese muss man dann auch bestehen, sonst erfolgt keine Ansetzung. Im Trainingslager schauen wir dann viele Videos der vergangenen Saison oder gerade jetzt von der Hinrunde eine gewisse Konformität zu erreichen, sodass alle Schiedsrichter die richtige Entscheidung oder gleiche Entscheidung treffen (bei Fouls). Dann geht es auch um Körpersprache, mentale Sachen, physiotherapeutische Sachen. Mittlerweile wird nicht mehr nach Assistenten unterschieden, sondern nach Ligen. Bei den Lehrgängen sind alle Bundesligaschiedsrichter mit den Assistenten zusammen. So arbeitet man auch hier bereits in Teams zusammen.

Die Bundesliga ist aus dem Winterschlaf erwacht. Freut man sich ähnlich wie ein Fußballer, dass es nun endlich wieder los geht?

Wir haben einen so verantwortungsvollen Job. Die Freude ist dennoch da. Freude vor der Herausforderung, über die einzelnen Ansetzungen und das Vertrauen. Grundsätzlich muss man als Schiedsrichter lernen, dass nur negative Emotionen präsent sind. Der Sieger kommt nicht, denn der feiert mit seinen Fans. Der Verlierer ist bei einem und beschwert sich. Es wird nie positive Emotionen geben. So etwas muss man verarbeiten. Grundsätzlich ist aber Vorfreude da.

Viel wird über den Video-Schiedsrichter gesprochen. Sie sind ja unmittelbar beteiligt. Ist das eine Hilfe für die Unparteiischen?

Erst einmal verstehe ich jeden Fußballanhänger, der ihn nicht mag. Für mich persönlich ist er jedoch hilfreich. Er nimmt uns stückweit eine Verantwortung, die wir teilweise in gewissen Szenen oder auch in komplexen Situationen nicht gerecht werden können. Bei groben Fehlentscheidungen haben wir den VAR als Hilfe. Das erleichtert die Arbeit. 

Ein Blick zurück: Beim letztjährigen Pokalfinale waren Sie zusammen mit Felix Zwayer und Thorsten Schiffner die Unparteiischen. Mehr geht doch nicht auf nationaler Ebene oder?

Vor dem Finale wurde es besonders deutlich, wo mich die Aufregung vorher gepackt hat, als bei anderen Spielen. Da diese Gewissheit zu haben, dass der Videoassistent dabei ist, war eine Erleichterung. Das Pokalfinale hat mich dann schnell gepackt. Auch zu wissen, dass meine Familie im Stadion war hat das nochmal verdeutlich. Ich war sehr, sehr gerührt und emotional. Es war was ganz Besonderes und eine Ehre. Letztendlich hing es an einer Szene, die dieses ganze Spiel in der Öffentlichkeit erscheinen lässt. Für uns als Gespann traurig, aber wir müssen schlussendlich entscheiden.

2010 wurden Sie auf die Fifa-Liste gesetzt. Was geht da in einem vor?

Die Nominierung war eine riesen Sache. Da ist man so glücklich, so stolz und gibt eine diese gewisse Sicherheit und auch Bestätigung. Es gab in Mecklenburg noch keinen Fifa-Schiri. Dennoch ist der Druck nochmal gestiegen. Gerade international geht es nicht um die Person, sondern um das Land. Dieses Jahr ist leider mein letztes Fifa-Jahr. Dann hab ich zehn Jahre geschafft. Wenn mir das vorher einer gesagt hätte… Ich bin seit 1988 Schiedsrichter, da gab es noch die DDR-Oberliga. Jetzt war ich im Champions-League-Halbfinale, bei der WM in Chile und auch im Pokalfinale. Dazu kamen Spiele wie Bayern-Dortmund und Dortmund-Schalke. Das ist für einen Pentzer Jungen ein ganz großer Traum.

Haben Sie ein Lieblingsstadion?

Wir haben in Deutschland super Stadien. Das ist einmalig in Europa. Ich brauche beim Fußball immer eine gewisse Emotion und Verbindung. Deswegen gibt es für mich auch nur drei Clubs: Traktor Pentz, Hansa Rostock und Deutschland. Das sind drei Mannschaften mit denen ich Emotionen verbinde. Daher ist das Ostseestadion für mich das schönste Stadion.

Was sagt Ihr Reisekonto aus dem letzten Jahr?

Im letzten Jahr hatte ich 127 Flüge. Ebenso sieht es mit den Hotelübernachtungen aus. So sieht es im jeden Jahr in etwa aus. Ich bin auch ehrenamtlich tätig, habe eine Familie mit Kindern, ein Haus und einen Job als Vermessungsingenieur. Mein Tag ist also gut ausgefüllt. Dennoch genieße ich jeden einzelnen und empfinde es als Privileg, das alles machen zu können.

   
   
   

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